Julia Bruns - Äpfel und DirnenJulia Bruns, Ihr neuer Krimi „Äpfel und Dirnen“ ist da. Worum geht’s dieses Mal? Der Titel lässt ja Sex & Crime vermuten…

Allerdings. Ein bisschen „Shades of Grey“ im Thüringer Becken, genauer gesagt in Kindelbrück. Dort nämlich werden drei Bilzingslebener auf grausame Weise umgebracht. Das Kuriose dabei: alle drei sind nackt und ihre Mägen sind mit Apfelsaft gefüllt. Bernsen und Kohlschuetter haben dieses Mal alle Hände voll zu tun und das, obwohl Bernsen eigentlich in seinen wohlverdienten Sommerurlaub starten will. Aber wie immer kommt es anders als er denkt.

Erzählen Sie uns doch noch ein wenig zu Kindelbrück und Bilzingsleben, wo Ihr neuer Krimi spielt. Mit Verlaub: einige Leser haben davon noch nie gehört.

Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Die Stadt Kindelbrück und die Gemeinde Bilzingsleben sind hinreißende Orte an der Hainleite, umgeben von einer wunderschönen Landschaft und mit einer weit zurückreichenden Geschichte ausgestattet. So hat zum Beispiel Bilzingsleben in der Welt der Archäologen internationalen Ruhm erlangt, da dort Überreste eines Urmenschen – der homo erectus bilzingslebenensis – gefunden wurden.

Was hat Sie zu der Geschichte inspiriert?

Ein lauer Sommerabend am Forellenteich in Bilzingsleben, ein Apfelsaft zu viel und die schwelende Konkurrenz zweier Kommunen von der jede behauptet, dass sie nicht existiert.

Es ist ja nun schon der dritte Fall der beiden Kommissare Kohlschuetter und Bernsen. Haben sich denn die beiden grundverschiedenen Typen im Laufe der Zeit weiter entwickelt? So ein
Charakter entsteht ja auch erst mit der Zeit, oder?

Ja natürlich. Auch wenn ich die beiden erschaffe habe, sind sie mir anfangs natürlich fremd. Mit der Zeit jedoch bekommen die Figuren ganz automatisch eine Vergangenheit und natürlich eine Zukunft. Hinzu kommt, dass die beiden immer mehr zum Team werden, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie mögen sich und ich glaube, das wird im dritten Roman erstmals richtig deutlich.

Die Leser mag die Popularität der beiden freuen. Aber träumen Sie nicht manchmal davon, dass Sie die beiden gar nicht mehr losbekommen? Es gibt sicher Schöneres im Leben als die Beschäftigung mit einem verschrobenen Fischkopf und einem provinziellen Schürzenjäger.

„Die Geister, die ich rief..?“ Nein, ganz und gar nicht. Die beiden gehören quasi schon zur Familie. Und so lange wie die Leser und ich mich über sie amüsieren können, dürfen sie bleiben. Das ist der Vorteil von Romanfiguren, wird es langweilig, erfindet man neue.

„Äpfel und Dirnen“ ist Ihr dritter Thüringen-Krimi. Wieder entführen Sie den Leser aufs Land? Nach allgemeiner Vorstellung ist doch die Welt auf dem Land noch in Ordnung, während in der Stadt das Böse zu Hause ist.

Ich liebe das Landleben und deswegen zieht es mich immer wieder dahin zurück. Abgesehen davon gibt es in den Thüringer Dörfern mindestens genau so viele spannende Geschichten zu entdecken wie in den Städten. Und mal ehrlich, Sadomaso in Erfurt hat doch nichts Aufregendes, aber in Kindelbrück am Gründelsloch, oh là là…

Der Fußballer sagt: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Während wir gespannt die ersten Seiten von „Äpfel und Dirnen“ aufschlagen, sind Sie gedanklich schon längst bei den nächsten Fällen. Verraten Sie uns, welches Thüringer Dorf sich Sorgen machen muss, demnächst im Mittelpunkt eines Krimis zu stehen?

Oh da schwirren so einige lauschige Plätzchen in meinem Kopf umher. Aber für ihren vierten Fall zieht es Bernsen und Kohlschuetter nach Bad Langensalza. Auf dem Mittelalterstadtfest wird eine kastrierte Leiche gefunden. Aber mehr darf ich wirklich noch nicht verraten.