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Frau Bruns, Ihr neuer Thüringen-Krimi spielt in Rudolstadt. Dürfen Sie schon etwas verraten?

Nein! Nicht mehr, als man in der Vorankündigung lesen kann. Denn die Geschichte ist so undurchsichtig, dass ich immer
zu viel verraten würde. Nur so viel: Es geht um die Geheimnisse der Schwarzburg- Rudolstädter Fürsten, die bis heute noch ihre Schatten werfen.

Sie sind gebürtige Thüringerin, wohnen aber in Sömmerda– was verbinden Sie mit der Gegend um Rudolstadt? Was hat Sie schriftstellerisch dorthin verschlagen?

Schon beim Schreiben von „Zwei Bier und ein Mord“ schwirrte mir Rudolstadt als nächster Tatort im Kopf herum. Seit meiner Kindheit zieht es mich dorthin. Und das, obwohl ich zu dieser Gegend Thüringens eigentlich keine nähere Verbindung habe. Ich würde sagen, es gibt da eine alte emotionale Verbundenheit, worauf die auch immer beruht.

Was waren denn die ersten Reaktionen in Rudolstadt, als die Menschen erfuhren, dass bei ihnen ein Krimi spielen wird?

Freude, Überraschung, Neugier. Und ich erlebe es immer wieder, dass die Menschen stolz sind, wenn man etwas über ihre Heimat zu erzählen hat. Wie selbstverständlich stehe ich dabei natürlich
auch unter dem Druck, keine Fehler zu machen. Die Leser achten akribisch darauf, ob die Straßenecke stimmt oder
die Farbe der Haustür.

„Im Schatten der Heidecksburg“ ist nun Ihr zweiter Thüringen-Krimi nach „Zwei Bier und ein Mord“, was ja ein großer Erfolg war. Wieder ermitteln die ungleichen Kommissare Kohlschuetter und Bernsen. Dürfen sich die Leser wieder auf die – sagen wir mal – individuellen Fahndungsmethoden der beiden einstellen oder hat sich einer von ihnen weiterentwickelt?

Das Traumpaar? Die haben sich natürlich beide weiterentwickelt, als Team und auch als Einzelcharakter. Bernsen zeigt sich wieder von seiner besten Seite und hat überdies noch ein handfestes Problem mit seiner Frau, die ihn zu Hause in Bremen nicht
sehen will. Und Kohlschuetter, naja, der versucht mit schier grenzenloser Geduld seinen Kollegen für die Schönheiten Thüringens zu begeistern und braucht dafür wirklich starke Nerven.

Wie darf man sich denn die Arbeit einer Krimi-Autorin vorstellen? Wie lange dauert es, bis Sie ein Buch geschrieben haben? Wie recherchieren Sie? Erzählen Sie mal..

Einer meiner alten Lehrer hat einmal gesagt: „Schreiben heißt Leiden“. Doch das trifft es nur zur Hälfte. Den anderen Teil freue ich mich über ruhige Stunden am Schreibtisch, eine Kanne Pfefferminztee und einen schnarchenden Hund zu meinen Füßen. Manchmal kann man mich in tiefster Nacht auch lautstark lachen hören, vor allem über Bernsen. Wenn ich nichts anderes tue, also wirklich nichts außer essen und schlafen, dann ist so ein Manuskript schon mal in drei Monaten geschrieben. Wenn ich zwischendurch doch mal mit dem Hund gehe, kann es etwas länger dauern. An jedem Anfang jedoch – und auch währenddessen – steht die Recherche. Ich laufe Wege ab, fotografiere, prüfe Perspektiven, unterhalte mich mit den Menschen oder gehe – wie beim aktuellen Fall – ins Archiv. Da ich nie weiß, wo die Reise bei einer Geschichte hingeht, sieht man mich des Öfteren am Tatort.

In vielen Lesungen haben Sie in den letzten Monaten nun auch Ihre Leser persönlich kennenlernen dürfen. Wer liest Ihre Bücher?

Die Leser sind sehr unterschiedlich. Den typischen Bruns-Leser konnte ich noch nicht ausmachen. Natürlich kommen sie meistens aus Thüringen, aber bei den Lesungen hatte ich auch schon Gäste aus Niedersachsen, Bayern oder von der Nordsee.

Wissen Sie schon, wo es nach Rudolstadt hingeht? Wo ermitteln Kohlschuetter und Bernsen das nächste Mal?

Natürlich! Die beiden Kommissare verschlägt es wieder in meine Heimatregion. In Bilzingsleben/Kindelbrück geraten die beiden in eine ziemlich schlüpfrige Geschichte. Aber dazu im Frühjahr 2017 mehr.