20180216-thueringer-kommissare-autorin-julia-bruns-thueringer-teufelswerkFrau Bruns, „Thüringer Teufelswerk“ – das klingt nicht unbedingt nach romantischer Abendlektüre. Worum geht’s in Ihrem neuen Buch?

Wenn das Buch romantisch ist, habe ich etwas falsch gemacht. Ich würde eher sagen, dieser Fall für Bernsen und Kohlschuetter ist der verworrenste und grausamste, den ich bisher geschrieben habe.
In Bad Langensalza stirbt ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes beim Mittelalterstadtfest. Die Leiche taucht dann beim beliebten „Teufelswerk“, einem Geschicklichkeitsspiel, auf. Kurzum: Sie kullert vor den Augen des Publikums aus einem der Säcke. Ein schrecklicher Gedanke..

Wie sind Sie denn auf die Story gekommen?

Für mich sind Mittelalterfeste ein Mysterium. Das Teufelswerkspiel fand ich originell. Die Grundidee wurde mir zugetragen, aber mehr kann ich nicht sagen.

Im letzten Buch schlugen die Dorf-Prostituierten zu, dieses Mal muss die Leiche auch noch kastriert sein. Unter Prüderie leiden Sie nicht gerade!

Bernsen würde sagen: „Typisch Ossi!“ Blödsinn. Mein Problem ist, ich leide eher unter zu viel Fantasie.

Aber ganz im Ernst: kann es nicht mal ein ganz normaler, gepflegter Mord sein?

Sind das meine Morde nicht? Aber im Ernst, ich mag außergewöhnliche Geschichten, untypische Situationen, geheimnisvolle Hintergründe. Und schließlich verwende ich auch fast immer Dinge, die mir die Leser zutragen. Im Fall von Bad Langensalza war das so. Aber mehr sage ich dazu nicht.

Schauplatz des Krimis ist dieses Mal Bad Langensalza, ein Thüringer Schmuckkästchen, das man besucht haben muss.

Absolut. Vor allem, wenn die Stadt im Mittelalterstadtfestfieber ist. Die besondere Atmosphäre, die vielen begeisterten Menschen, die Mittelalter-Freaks – das alles kann einen schon in seinen Bann ziehen.
Aber auch jenseits dieses Ausnahmezustandes hat die Stadt richtig viel zu bieten. Es ist nicht immer leicht, all die großen und kleinen Sehenswürdigkeiten zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, aber ich habe es versucht und bin gespannt, wie das bei den Lesern ankommt.

Ermitteln dürfen auch dieses Mal wieder Bernsen und Kohlschuetter. Was macht die beiden Thüringer Kommissare eigentlich so erfolgreich?

Meine beiden ungleichen Ermittler ergänzen sich bei ihrer Arbeit perfekt. Sie sind grundsätzlich nie einen Meinung, sehen die Dinge immer von unterschiedlichen Seiten, natürlich auch durch die „Ost- und die Westbrille“, und diskutieren sich gegenseitig an die Wand. Das bringt die Ermittlungen voran und amüsiert die Leserinnen und Leser, zumindest habe ich mir das sagen lassen.

Wissen Sie eigentlich, wer von den Beiden bei Ihren Lesern besser ankommt?

Ganz eindeutig der Thüringer Timo Kohlschuetter. Er ist sympathisch, umgänglich und ein Menschenfreund, ein richtiger Schwiegermuttertyp eben. All das kann man von Friedhelm Bernsen mit seiner direkten, ruppigen Art nicht behaupten.
Bei mir hingegen sieht das anders aus, ich mag Bernsen eindeutig mehr, denn er darf (fast) alles sagen.

Dann dürfen wir davon ausgehen, dass das „Thüringer Teufelswerk“ nicht der letzte Fall gewesen sein wird?!

Definitiv nein. Der 2019er Fall befindet sich bereits in Arbeit. 2020 habe ich im Kopf. Die Thüringen Kommissare ermitteln weiter – und das freut mich sehr.