csm_2015_03_04_julia_bruns_in_weissensee_78b50bbce5Frau Bruns, Ihr Kriminalroman spielt in Weißensee. Verraten Sie uns: warum ausgerechnet dort?
Als Biertrinkerin würde ich spontan antworten: Natürlich wegen des Weißenseer Ratsbräus. Doch eigentlich ist es die Fülle an Geschichte und Geschichten, die einem hier auf Schritt und Tritt begegnen. Und welche alte Landgrafenstadt kann schon von sich behaupten, über einen chinesischen Garten und das älteste deutsche Reinheitsgebot zu verfügen?

Was verbinden Sie persönlich mit Weißensee?
Ein paar meiner engsten Freunde und ihre Familien kommen aus Weißensee. Die müssen mich über die Jahre mit ihrer Begeisterung für die Stadt angesteckt haben. Und natürlich: Ich habe hier, im ältesten deutschen Rathaus, geheiratet.

Nachdem Sie sich so gut auskennen in dieser Region: geht es da wirklich so blutrünstig zu?
Ja natürlich! Aber wir vergreifen uns niemals an Einheimischen….

Sie leben ja selbst nicht weit entfernt von Weißensee. Was macht die Ecke so lebenswert?
Wie bereits erwähnt: die reiche Geschichte natürlich. Dazu gibt es für mich als begeisterte Naturliebhaberin keine schönere Landschaft als die vor der eigenen Haustür. Wer einmal durch den Beichlinger Wald gewandert oder an der Unstrut entlang geradelt ist, der kann das ganz sicher nachvollziehen. Und nach all der Anstrengung gibt es bei uns ein anständiges Bier und leckeres Essen. Schließlich sind wir ja Thüringer!

Wie war denn die Reaktion in Weißensee, als bekannt wurde, dass der Ort Schauplatz Ihres Kriminalromans sein würde?
Überrascht, neugierig und in manchen Fällen sogar ein bisschen stolz. Immerhin bekommt nicht jede Stadt ihren eigenen Krimi, noch dazu, wenn sie nicht Erfurt oder Weimar heißt.

Sind alle Personen in Ihrer Geschichte frei erfunden oder wird sich der ein oder andere wieder erkennen?
Alle Figuren sind frei erfunden. Der ein oder andere Freund oder Bekannte wird jedoch einige der Dialoge wiedererkennen. Auch Schriftsteller können sich nicht alles ausdenken. Was die realen Personen angeht, bin ich da vorsichtiger. Bei einer Mordgeschichte kann das schnell zu Verstimmungen führen. Auch wenn mich schon ein Freund gebeten hat, im nächsten Buch unbedingt die Leiche sein zu dürfen. Diesen Wunsch werde ich ihm dann doch erfüllen.

Wie kommen Sie denn auf Ihre Themen?
Die liefert das normale Leben. Wenn man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, lässt sich so manches entdecken. Noch dazu reden die meisten Menschen gern über ihre Heimat. Ein geschichtliches Ereignis, eine geheimnisvolle Sage, eine fast vergessene Begebenheit oder eben einen lange schwelenden Streit mit dem Bayerischen Brauerbund…