»Spring!« Edelgards Stimme überschlug sich, so ungeduldig war sie.

Er starrte in das tiefdunkle Wasser des Gründelsloches. Der Vollmond spiegelte sich in der Oberfläche, nur gebrochen durch die dunklen Schatten der hohen alten Bäume, die die Quelle säumten.
Wie schwarze, knochige Gestalten lagen ihre Konturen auf dem Wasser. Regungslos. Nur ab und zu bewegte sich etwas dazwischen.
Es war Edelgards Umriss, der sich wie ein Riese über seinen gelegt hatte. In der Nähe plätscherte monoton der Gründelsbach. So aggressiv hatte er das Geräusch überhaupt nicht in Erinnerung. Ansonsten war kein Laut zu hören.
Er wagte es nicht, sich zu bewegen. Edelgard noch mehr in Rage zu bringen, könnte böse enden. Sie kannte kein Erbarmen, das wusste er. Doch wie er aus der Nummer hier rauskommen sollte, ohne sein Gesicht zu verlieren, war ihm schleierhaft. Zehn Grad sollte das Wasser haben, sommers wie winters. Das hatte er schon in der Schule gelernt. Damit wäre es immerhin deutlich wärmer als die Minusgrade, bei denen er gerade nur mit seiner Unterhose bekleidet am Ufer der Quelle kniete. Dabei könnte er jetzt gemütlich zu Hause auf seiner Couch liegen.
Das tat er an Weihnachten doch immer. Mit einem anständigen Bierchen und einer Packung Mon Cheri. Seit fünfundzwanzig Jahren lag die für ihn unter dem Weihnachtsbaum.
Auf seine Frau konnte man sich eben verlassen. Auf ihre vehemente sexuelle Verweigerung leider auch.